Barnim-Stipendium Bewerbungsverfahren unzureichend

Im letzten Schuljahr habe ich gelesen, dass ich mich auch mit meinem Zeugnis der 13. Jahrgangsstufe für das Barnim-Stipendium bewerben kann. Das Barnim-Stipendium ist ein Leistungsstipendium für hervorragende außergewöhnliche Leistungen im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Bewerben können sich alle Schüler bzw. Schulabgänger eines Gymnasiums, OSZ oder einer Gesamtschule mit Wohnsitz im Barnim, die eine Schule im Barnim besucht haben oder besuchen (bzw. eine Spezialschule mit naturwissenschaftlich technisch mathematischer Prägung außerhalb des Landkreises Barnim). Das Vergabeverfahren ist dabei an einigen Stellen verbesserungswürdig. So stellt sich die Frage, ob die Gymnasiasten mit Gesamtschülern und OSZler gleichermaßen konkurrieren. Bekanntlich sind die Anforderungen an Gymnasiasten eindeutig höher als an Gesamtschüler oder Schüler eines Oberstufenzentrum. Im letzten Jahr haben nur sechs Schüler (ausnahmslos Gymnasiasten) das Barnim Stipendium erhalten. Davor die Jahre waren es noch 20 (12 Gymnasiasten, 8 OSZler)!! Monatlich bekommen die Ausgezeichneten 150 Euro überwiesen.

Vor allem die Bewerbung mittels Bewertungsbogen für das Stipendium ist, sagen wir mal, suboptimal. Als erstes zählen dort die Unterrichtsleistungen relevanter Fächer. Relevant sind im Barnim sechs Komponenten. So dürfen aus den Fächern Biologie, Chemie und Physik zwei Noten eingebracht werden. Weiterhin sollen Noten für Mathematik, Informatik/Technik, Deutsch und Englisch eingebracht werden. Das besondere: Die Leistungskurse werden mit doppelter Bewertung ihrer Notenpunkte eingebracht. So bringt beispielsweise eine 1+ im Leistungskurs Mathe nicht 15, sondern 30 Punkte. In jedem dieser Fächer muss man mindestens 12 Punkte erreichen (also eine 2+), damit sie in die Bewertung einfließen. Alles darunter zählt nicht. Nicht nur, dass keinerlei musische Begabungen (Musik, Kunst), sportliche Leistungen oder gesellschaftliche Fächer (wie in etwa Erdkunde, Geschichte, Politische Bildung) einfließen machen das Verfahren zu einem naturwissenschaftlichen Wettstreit zahlenaddierender Begabter. Jetzt kommt jedoch zu den sechs Komponenten hinzu, dass man eine Mindestpunktzahl von insgesamt 96 Punkten erzielen muss. Jeder Bewerber, der diese Vorgabe nicht erfüllt, fliegt raus!!

Nach den Vorgaben des Landes Brandenburgs muss jedoch im Normalfall kein Schüler alle sechs Komponenten in der Sekundarstufe II belegen! Und das ist das interessanteste. In der Sekundarstufe II können sich die Schüler ihre Kurse/Fächer nach bestimmten Vorgaben selber zusammenstellen. Somit müssen Fächer, die einem nicht liegen, unter Umständen nicht mehr verpflichtend belegt werden. Das regelt die Gymnasiale-Oberstufe-Verordnung, kurz GOSTV, des Landes Brandenburg. Meine Ausführungen konzentrieren sich nur auf Gymnasien, nicht auf Gesamtschulen oder Oberstufenzentren. Zu Beginn der Einführungsphase (11. Jahrgangsstufe) müssen die Schüler ihre Kurse aus bestimmten Aufgabenfeldern wählen. So müssen die angehenden Abiturienten Deutsch, zwei Fremdsprachen und eines der drei Fächer Kunst, Musik oder Darstellendes Spiel belegen. Dieses dritte Fach kann nach der 12. Klasse abgewählt werden. Was heißt das fürs Barnim-Stipendium? Englisch ist keine Pflichtbelegung, so können als zwei Fremdsprachen auch Latein, Französisch, Russisch, Spanisch, usw. belegt werden!! Alle die kein Englisch haben, verlieren im schlimmsten Fall 15 Punkte!!!!! Das Aufgabenfeld II interessiert nicht, da es sowieso nicht in die Bewertung einfließt (bspw. mit Fächern wie Geschichte, Erdkunde oder politische Bildung). Im Aufgabenfeld III geht es um die Naturwissenschaften. Dort muss Mathematik, ein naturwissenschaftliches Fach (Biologie, Chemie, Physik) sowie eine weitere Naturwissenschaft (Biologie, Chemie, Physik) oder anderes Fach (bspw. Informatik, Technik) belegt werden. Auch hier liegt ein Kritikpunkt am Bewertungsbogen. Für dieses Aufgabenfeld sieht das Stipendium nämlich vier einzubringende Fächer (2 aus Chemie, Physik, Bio; dazu Info/Technik und Mathematik) vor, man muss als Schüler aber nur drei belegen!! In meinem Fall habe ich Mathematik (ist für jeden verpflichtend), Biologie (als erste Naturwissenschaft) und Informatik (als drittes Fach) belegt. Nun kommt aber auch noch hinzu, dass man im Normalfall eine Naturwissenschaft in der 13. abwählen kann! Somit würde bei manchen noch ein weiteres Fach rausfallen, beispielsweise Informatik. Damit fehlen drei von sechs Komponenten um die Mindestanforderung von 96 Punkten zu erreichen. Mit drei Fächern könnte man im besten Fall maximal 75 Punkte erreichen (2 Leistungskurse doppelt: 15x2x2 + 1 Grundkurs 15)! Nimmt man jetzt aber an, dass wenigstens Englisch als Fremdsprache belegt wurde, so fehlen nur zwei Komponenten. Im besten Fall wären dann 90 Punkte möglich, Bewerbung erneut ausgeschlossen (15x2x2+15+15). Dieser Fall ist für einen Schüler der 13. Jahrgangsstufe gar nicht so unwahrscheinlich. Der Schüler hat seine Möglichkeit wahrgenommen die zweite Naturwissenschaft abzuwählen, um sich voll auf das Abitur zu konzentrieren. Wählt man dieses Fach jedoch ab, fehlt immer noch eine Komponente, denn für die drei Fächer des Aufgabenfelds III (siehe oben) sind vier Komponenten vorgesehen. Schafft man jetzt eine Bewerbung, bei Nichtabwählen der zweiten Naturwissenschaft? Die Antwort ist ja, aber nur gerade so. Nehmen wir wieder den Bestfall (LK: 15x2x2=60; GK: 15+15+15=45), der bringt also 105 Punkte. Wir sehen, die Maximalzahl an Punkten (120) ist nur mit der Belegung eines weiteren naturwissenschaftlichen Faches zu schaffen!! Doch welcher Schüler macht das? Mehrbelastung im Abitur, wo das zweite Schulhalbjahr doch so kurz ist und auch das erste Halbjahr anstrengend ist (Vorprüfungen). In meinem Fall konnte ich mich trotz meines guten 1,3 Abis aufgrund dieser Minimumbegrenzung der angeblich relevanten Fächer nicht bewerben!

Im Teil B des Bewertungsbogen geht es um Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen. 10 solcher Kompetenzen von Zielorientierung bis Abwägen von Risiken soll der Tutor oder Naturwissenschaftslehrer mit einer Skala von 1 (schlecht) bis 6 (sehr gut) bewerten. Jeder kann sich dazu seinen Teil denken… ;-)

Als letztes Kriterium (C) zählen Wettbewerbe. Dort heißt es: „Die Teilnahme an naturwissenschaftlich – technischen anerkannten Wettbewerben wird entsprechend der erreichten Ebene je Wettbewerb in der höchsten Ebene bewertet. Erfolge bei den entsprechenden Wettbewerben werden in der jeweils höchsten Ebene mit zusätzlichen Punkten bewertet.“ Wer sagt mir was diese anerkannten Wettbewerbe bitte sind? Bundesweite Wettbewerbe gibt es genug. Nur für die Teilnahme an diesen gibt es 15 Punkte, egal welcher Erfolg! Damit wird die Teilnahme an einem Wettbewerb mit dem Workload (Arbeitsaufwand) eines ganzen Schulhalbjahres gleichgesetzt. Schwer zu glauben, dass das so ist. :-) Man denke nur an Tests, Hausaufgaben, Vorträge, Unterrichtsvorbereitungen und Klausuren. Merkwürdig ist auch die Bewertung der Platzierung. Da gibt es für einen ersten Platz im Schulwettbewerb (mit vllt. nicht mal einer handvoll Konkurrenten) die gleichen Zusatzpunkte (1.-3. Platz drei Punkte; 4.-10. ein Punkt), wie für einen bundesweiten Wettbewerb (mit tausenden Konkurrenten). Auch dort sollte man nochmal etwas überdenken… Was ist eigentlich mit sportlichen Erfolgen, oder Erdkunde oder PB? Na ja…

Früher, als ich das Stipendium noch bekommen habe, konnte man noch besondere Kenntnisse/Fähigkeiten einbringen (soziales Engangement, Hobbies) und bekam dafür Punkte. Auch das gibt es nicht mehr. Neben dem Bewertungsbogen müssen Schüler nur die Urkunden bzw. Teilnahmebescheide der Wettbewerbe einreichen. Ein Lehrer darf euch dann noch als letztes einschätzen. Ob es dafür Punkte gibt, steht nirgends. Leider erhält man seine Unterlagen nicht zurück, man erfährt also nicht, wofür man jetzt wirklich Punkte bekommen hat (meine eigens errechnete Punktzahl weichte damals von der veröffentlichten doch sehr stark ab). Die Entscheidung zur Vergabe wird übrigens durch die Abgeordneten des Kreistages getroffen und das kann dauern. Mitunter kann man diese Bekanntgabe zuerst der Zeitung erfahren ;-) Die Unterlagen müssen schon zwei Wochen nach Schuljahresbeginn eingereicht werden (dieses Jahr bis zum 14. September). Die Entscheidung ging aber erst immer einige Monate später zu. Im letzten Jahr hatte man in der MOZ noch groß angekündigt in den nächsten großen Ferien, also eigentlich diesem Sommer, ein Treffen der ehemaligen Stipendiaten zu veranstalten. Auch dafür habe ich nie eine Einladung bekommen… Zusammen mit der Reduzierung der Ausgezeichneten, angeblich mangels Qualität, ist das doch sehr schade.

Hier gibt es 10 Tipps für alle zukünftigen Barnim-Stipendium Bewerber.