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Google-Angst und das Leistungsschutzrecht

16. Okt 2014
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In den letzten Tagen liefen bei DRadioWissen und beim digitalen Quartett zwei “Sendungen” mit den Themen “Google vs. VG Media-Verleger” (Eine Stunde Was mit Medien – 09. Oktober 2014) bzw. “Google-Angst” (Ausgabe #66), auf die ich durch die Teilnahme von Prof. Dr. Mario Fischer (FH Würzburg – University of Applied Sciences) gestoßen bin. Beide kann ich euch nur wärmstens zum nachträglichen Hören bzw. Anschauen empfehlen. Zu einigen Punkten aus den Diskussionen wollte ich jetzt mal meine Meinung publizieren, da ich einige Sachen doch etwas anders sehe.

1) Aussage: Google News sei werbefrei, verdiene mit dem Dienst kein Geld und könne somit gar nichts an die VG Media-Verleger ausschütten (Lizenzgebühren).

Richtig ist, dass Google derzeit auf news.google.de keine Werbung anzeigt. Die Betonung liegt aber auf derzeit, der Zustand muss ja nicht so bleiben. In den USA hat Google beispielsweise bereits Werbeeinblendungen geschaltet und teilte die Einnahmen nicht mit den Medienhäusern, deren Inhalte von der News-Suche erfasst werden. Google bindet darüber hinaus aber zum Beispiel die News One-Boxen auch in der normalen Suche ein, wo dann natürlich Werbung ausgeliefert wird.

Zudem ist es so, dass Google weiterhin indirekt mit Google News Einnahmen generiert. Zum einen indem Leute weiter auf andere Google Angebot navigieren und dort zum Beispiel Werbung angezeigt bekommen. Des weiteren befinden sich auf vielen Verlagsangeboten Google AdSense-Anzeigen, hier erhält Google 32% der Einnahmen (68% der Publisher, in dem Fall also die Verleger).

2) Aussage: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger sei abends um 22/23 Uhr verabschiedet worden.

Das ist schlicht nicht richtig. Die namentliche Abstimmung über den Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger fand am 1. März 2013 um kurz nach 10:30 Uhr vormittags statt. 293 Abgeordnete votierten für den Gesetzentwurf, 243 stimmten gegen ihn. Es gab drei Enthaltungen.

3) Aussage: Thomas de Maizière soll behauptet haben, Google verkaufe Nutzerprofile.

Diese Aussage geht nicht wirklich so aus dem vermutlich gemeinten F.A.S-Artikel vom 21.09.2014 hervor. Dass Google Bewegungsprofile an eine Versicherung verkauft bzw. verkaufen könnte wird nur als beispielhaftes Szenario dargestellt, aber nicht, dass Google es wirklich macht.

4) Aussage: Die meta-Description wird extra / explizit für Google gefüllt. Nur die Suchmaschine sieht den Text und der Ersteller möchte, dass diese ausgewertet und angezeigt wird.

Die meta-Description / Kurzbeschreibung soll Suchmaschinen, Webcrawler (Robots), etc. helfen zu verstehen, um was es auf der Internetseite geht. Ein Einverständnis, diese Beschreibung zu veröffentlichen, ist damit aber nicht automatisch verbunden. Der Ersteller bleibt Urheber und eine Nutzung ist dadurch nicht automatisch auch erlaubt.

Zudem verwendet Google heute bei weitem nicht immer die meta-Description, sondern in vielen Fällen auch direkt Inhalte aus der Webseite selbst. Die ausgefüllte meta Description im head-Bereich des HTML-Dokuments wird also, auch was die Anzeige in den Suchergebnissen bei Google angeht, ignoriert.

5) Aussage: Für Google News muss man sich extra bewerben.

Das ist soweit korrekt, jedoch geht Google jetzt noch weiter und bindet in One-Boxen in den USA auch News nicht registrierter Newsquellen ein (Quelle).

6) Aussage: Verlage können die Anzeige der meta-Description und Bilderindexierung technisch selbst verhindern (Opt-Out).

Das ist richtig, jedoch ist die Frage, ob sie das müssen und dafür verantwortlich sind, die Indexierung durch Externe zu verhindern. Müsste nicht vielleicht sogar eher Google die Anzeige verhindern und dürften sie die Sachen nicht erst anzeigen, wenn der Nutzung seitens der Verlage zugestimmt wurde (Opt-In)? Zumal sich Suchmaschinen, Aggregatoren und andere nicht an die (gleichen) meta-Anweisungen halten müssen und sie ignorieren können.

7) Aussage: Wir (Deutschen) müssen Google ja nicht nutzen, es zwingt uns keiner.

Richtig, zwingen nicht, es gibt auch andere Suchmaschinen, doch liefern diese ebenso gute Ergebnisse, haben diese ein besseres Angebot? Ist es für neue Suchmaschinen in Deutschland überhaupt noch möglich, Fuß zu fassen oder ist Google mittlerweile nicht einfach uneinholbar voraus?

8 ) Aussage: Google verteilt kostenlose Dinge, bietet seine Dienstleistungen kostenfrei an.

Hier sollte man sich in meinen Augen nicht auf eine rein monetäre Betrachtungsweise konzentrieren. Wir bezahlen die Dienste, indem Google mit unseren Benutzerdaten Nutzerprofile anlegt, diese innerhalb der Dienste sammelt, verknüpft und für die Schaltung von möglichst “passgenauer”, personalisierter Werbung einsetzt. Das heißt wir erhalten zielgerichtete Werbung und zahlen quasi mit unserer Aufmerksamkeit für Marken, Produkte, Dienstleistungen whatever die wir angezeigt bekommen und dann konsumieren (Geld ausgeben). Auch wenn Google diese Profile derzeit nicht direkt an Andere verkauft, wer garantiert, dass das immer so bleibt?

9) Aussage: Amazon bedrohe die Verleger vielmehr als Google.

Kann so sein oder so kommen, aber ist jetzt kein Argument pro-Google, wenn man ehrlich ist. ;-)

10) Aussage: Dass Google die in die VG Media organisierten Verleger nicht völlig delistet, sei ein “netter” Schachzug.

Ich denke, und das hab ich ja bereits dargestellt, dass das nicht aus einer Nettigkeit Googles heraus kommt, sondern aus der Konsequenz, dass sich die Ergebnisse vermutlich zu sehr verschlechtern würden und dass Google das kartellrechtlich gar nicht machen kann, weil es die Verleger benachteiligen und seine Marktmacht missbrauchen würde.

11) Aussage: Google ist ein “Traffic-Durchleiter”, kein Content-Provider.

Stimmt wohl, zumindest noch. Aber Google geht immer mehr dahin, Daten von externen Seiten zu extrahieren und selbst anzuzeigen (Knowledge-Graph bspw.) und so ein Durchklicken nicht mehr erforderlich ist. Diese Entwicklung ist klar erkennbar.

12) Aussage: Es gibt keinen Fall, wo ein Google-eigenes Angebot bevorzugt wurde.

Das ist auch schlecht zu beweisen, da müsste man schon tiefe Einblicke in Googles Inneres bekommen, um das überhaupt belegen zu können. Fakt ist aber, dass Google eigene Produkte, wie neue vertikale Suchen (Flüge, Hotels, usw.), prominent einbindet und somit den eigentlichen organischen Suchergebnissen Platz und Aufmerksamkeit / Wahrnehmung entzieht. Zudem bewirbt Google eigene Angebote mittels AdWords quasi für lau (“bei einer Bezahlung aus der linken in die rechte Tasche”).


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Tags: Angst, Google, Google News, Leistungsschutzrecht, VG Media

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