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Warum deindexiert Google die VG Media-Verleger nicht?

2. Okt 2014
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Zunächst zum Hintergrund: Philipp Justus, Managing Director von Google Germany, gab gestern in einem Blogpost bekannt, dass Google in seiner Suche zukünftig keine Snippets (Textausschnitte) und Thumbnails (Vorschaubilder) mehr für Verleger-Webseiten anzeigen wird, die in der VG Media organisiert sind. Betroffen sind weit über 100 Websites, darunter Angebote von Axel Springer (u.a. bild.de, welt.de, bz-berlin.de), Burda (u.a. Chip Online, bunte.de), Funke, Madsack und M. DuMont Schauberg. Für diese Seiten sollen laut Google-Sprecher Ralf Bremer ab dem 9. Oktober 2014 in den Google Angeboten nur noch der Link zum Artikel sowie dessen Überschrift erscheinen.

Auslöser ist eine Klage der VG Media mit Verweis auf das neu geschaffene Leistungsschutzrecht für Presseverleger (trat am 1. August 2013 in Kraft), wodurch Verlage bereits für die Nutzung von kleinen Textausschnitten (längere oder komplette Texte sind ohnehin durch das Urheberrecht geschützt) ihrer Erzeugnisse Lizenzvergütungen verlangen können. Google besitzt den Standpunkt, dass die von ihnen dargestellten Snippets keinen Vergütungsanspruch auslösen, da nach dem Gesetz “einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte” ausgenommen, d.h. nicht lizenzpflichtig, seien. Die VG Media sieht das anders. Als Reaktion auf den laufenden Rechtsstreit haben andere deutsche Anbieter schon vor einiger Zeit die Inhalte von Mitgliedern der VG Media vollständig entfernt.

Warum deindexiert Google die VG Media-Mitglieder nicht?

Warum aber tut es Google GMX, Web.de und T-Online nicht gleich und entfernt die Inhalte der VG Media-Mitglieder nicht vollständig? Im Google-Blogpost klingt es so an, als handle Google hier so uneigennützig, indem sie den Verlagen seit eh und je kostenlosen Traffic liefern. Dass es aber Google auch irgendwo treffen würde, wenn sie die Angebote vollständig entfernen würden, wird nicht erwähnt. Ob des Vorgehens muss man es aber vermuten. So scheint es, als wären die Auswirkungen auf die Qualität der Suchergebnisse für Google dann vielleicht doch so immens, dass man es sich nicht erlauben kann, den Nutzern einfach einige der größten deutschen Internetangebote in der Suche komplett vorzuenthalten. Google wird eine Nichtberücksichtigung (ausgewählter Verleger-Webseiten) vermutlich schon mal in kleinerem Rahmen getestet und die Auswirkungen analysiert haben, um im Endeffekt festzustellen, dass die davon ausgehende “Gefahr” wohl (derzeit) zu groß wäre. Die Qualität der Suchergebnisse ist nun mal das A und O für eine Suchmaschine. Und wenn diese merklich für den User sinkt, könnte Google Marktanteile und damit selbst einiges an Geld in Deutschland verlieren…

Eine andere oder weitere Erklärung wäre, dass es kartellrechtlich wirklich problematisch sein könnte, wenn Google als das dominierende Unternehmen in der deutschen Suche (94% Marktanteil) die Angebote der Verlage gegen deren Willen/Zutun vollständig entfernen würde. So sagt Till Kreutzer, Anwalt für Urheberrecht, gegenüber zeit.de: “Das Kartellamt hat in einem Nebensatz erwähnt, dass Google möglicherweise seine Marktmacht missbrauchen würde, wenn es bestimmte Inhalte gar nicht mehr anzeigt”.

Aber auch ohne ein De-Listing besteht die Frage, in wiefern die Wahrnehmungsberechtigten der VG Media gegenüber Wettbewebern (die das Leistungsschutzrecht nicht für sich geltend machen) bei Google benachteiligt würden (führt der Algorithmus direkt oder indirekt dann zu schlechteren Positionen?), wenn nur für sie keine Snippets und Vorschaubilder mehr angezeigt werden und in wieweit das kartellrechtlich vertretbar ist. Muss Google in der Konsequenz sogar vielleicht seinen Suchalgorithmus so anpassen, dass aus der veränderten Darstellung (weil sie ja keine Lizenzgebühren zahlen “möchten”) keine Nachteile für die durch die VG Media organisierten Verleger in der Suche (News/Web) entstehen?!?

Großer Trafficverlust?

Dann prophezeien ja einige schon, dass die betroffenen Webseiten durch die neue Darstellung in Google eine Menge Traffic verlieren werden. Dabei ist noch nicht klar, wie die ganze Einbindung aussehen wird oder hat Google irgendwo bereits mitgeteilt, dass die Seiten so interpretiert werden als hätten sie die “nosnippet”- bzw. “noimageindex”-Anweisung integriert? Wer weiß denn, wie der User in etwa darauf reagieren wird (das sind ja immer noch die Bild, Welt, Chip Online, usw!!)? Allein durch die aktuelle Berichterstattung und mögliche Auswirkungen auf das Verhalten der Suchmaschinennutzer wird derzeit niemand wissen können, wie sich das “neue großflächige Google-Design” (es sind einfach mal richtig große Seiten betroffen!) letztendlich auf den Traffic der Verlegerseiten auswirken wird.

Und wenn Google ansonsten nichts am Algorithmus ändert, wie es in der Onlinepresse nachzulesen ist, dann werden wohl zu Beginn auch erstmal keine Positionen für andere frei. Spannend wird aber zu beobachten sein, wie sich die Sichtbarkeit der Verleger-Webseiten im weiteren Verlauf entwickelt, denn hier sind dann unter Umständen Rückschlüsse auf die Bedeutung von beispielsweise Klickraten (mit/ohne Description) in den SERPs im Algorithmus möglich.

Alles in allem bin ich gespannt, wie es zwischen Google und VG Media weitergeht.


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Tags: Google, Leistungsschutzrecht, VG Media

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