Wie man gezielt demotiviert

Ziel der Vorgesetzen bei der Bundeswehr ist es normalerweise, die Motivation der Truppe aufrechtzuerhalten. So werden besondere Leistungen honoriert, im Regelfall durch FvD (Frei vom Dienst) bzw. Sonderurlaub, früheren Dienstschluss/späteren Dienstantritt oder aber durch Abzeichen. Bitter ist es für einen Soldaten dann, wenn Versprechen nicht gehalten werden.

Am Dienstag war bei uns in der Kaserne Bataillonssportfest. Unser Chef betonte, dass wir uns besonders anstrengen sollen, damit der Trophäenschrank endlich mal gefüllt wird. Herausragende Einzel- und Mannschaftsleistungen würden selbstverständlich auch gewürdigt werden. Ich war für keine Einzeldisziplin gemeldet, dafür habe ich aber die relevanten Disziplinen fürs Deutsche Sportabzeichen (DSA) abgelegt und dort auch die Vorgaben erfüllt (100m-Sprint, Weitsprung und 3.000m-Lauf). Das DSA brauche ich nämlich als letztes für mein Leistungsabzeichen in Gold. Ursprünglich wollte ich das DSA im Zivilen ablegen und brauchte dafür einen Tag Sonderurlaub, da ich keinen Erholungsurlaub mehr habe. Urlaub gabs dafür aber nicht und so wurde mir die Möglichkeit vorgeschlagen, am Dienstag die Leichtathletikdisziplinen abzulegen. Das Schwimmen muss ich dann draußen ablegen. So ist das halt, Eigeninitiative wird beim Bund nicht wirklich belohnt.

Aber eigentlich geht es ja um das Bataillonssportfest und die Mannschaftswettbewerbe am Nachmittag. Da trat ich nämlich im Fußball als krasser Außenseiter mit der zweiten Mannschaft unserer Kompanie an. Nach einem 0:0 im Auftaktspiel, gewannen wir die nächsten zwei Partien und standen soverän als erster im Halbfinale gegen unsere erste Mannschaft. Gegen eine Mannschaft, die mit mehreren landesligaerfahrenenen Spielern angetreten war, hielten wir das 0:0 und hatten im Siebenmeterschießen das Glück auf unserer Seite: Wir standen im Finale. Das gewannen wir mit 1:0 und machten somit die Überraschung perfekt. Damit hatte ich als Kapitän bei weitem nicht gerechnet. Nun ja, da habe ich mich schon auf die Siegerehrung vor dem gesamten Bataillon gefreut, als unser Chef bekannt gibt, dass nicht der Kapitän die Trophäe in Empfang nimmt, sondern irgendein HG, der nur eingesprungen ist, weil sich ein Spieler von uns im ersten Spiel verletzt hat! :-( Meine Stimmung war dementsprechend mies, sodass auch das anschließende Grillen für mich nichts bedeutete. Typisch Bundeswehr, dachte ich mir… Unser KpChef lobte uns für den tollen Erfolg und versprach eine Belohnung. Was soll ich sagen, bisher gabs rein gar nichts. Schon letzte Woche durften wir für den Ehrenzug nicht früher nach Hause, dann haben wir noch „eine Stunde früher gehen“ (für tolle Leistungen in einer Woche vor drei Monaten) offen. Wenigstens gings heute ein wenig früher los („Ehrenzugteilnahme“).

Die Motivation bleibt aber total im Keller, nicht nur bei mir, sondern bei allen W9ern und auch Längerdienenden in meinem Zug/Kompanie. Bundeswehr, die meisten haben da keine Lust mehr drauf. Wenn selbst SaZ einen davor warnen, sich länger zu verpflichten kann doch irgendwas nicht stimmen. Die letzten Wochen werden an den negativen Erinnerungen wohl nichts mehr ändern und so kann ich jedem in der Zukunft nur raten, sich genau zu überlegen, ob man zum Bund geht oder nicht. Es gibt so vieles, was dagegen spricht.

Was nächste Woche ansteht, habe ich schon angekündigt. Wir fahren von Montag bis Mittwoch auf den Truppenübungsplatz und werden für die danach stattfindende Übung das Gruppengefechtsschießen üben. Wenn ich die nächsten zwei Wochen hinter mir habe, ist so gut wie alles vorbei. Endlich möchte man meinen…